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„Wie geht es meinen Gefühlen mit mir?“

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Dieser Artikel erschien in der INTUITION Dezember 2008/Januar 2009


„Du bist der Statist/die Statistin in meinem Drama“

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Dieser Artikel erschien in der INTUITION April/Mai 2009



Wie geht es meinen Gefühlen mit mir?

Es gab eine Zeit, da hatte ich eine solche Angst verrückt zu werden, dass ich alles versucht habe, um diesem Schicksal zu entgehen. Doch die Angst, verrückt zu werden, wurde größer und größer, auch fingen meine Mitmenschen an, sich Sorgen zu machen, dass ich verrückt werde.

Ich war zu der Zeit schon einige Jahre in Therapie und hatte durchaus gelernt mit meinen Gefühlen umzugehen, meine Gefühle irgendwie in Schach zu halten. Doch irgendwann wurde der Druck so groß, dass ich nicht mehr wusste, was ich tun sollte. In dieser Zeit kniete ich auf meinem Bett und dachte: „Mit dem Risiko, dass ich verrückt werde, mit dem Risiko, dass ich die nächsten zwei Jahre in einer geschlossenen Anstalt verbringe, ich lasse jetzt zu, verrückt zu werden.“ Dann ließ ich mich mit einem Schrei nach vorne in die Kissen fallen. Als ich unten angekommen war, war der ganze Spuk vorbei. Mein Geist war das erste Mal klar, es ging mir gut und vom Verrücktsein war keine Spur mehr vorhanden.
Dieses Erlebnis ist für mich ein absolutes Schlüsselerlebnis, auf dem meine Arbeit und meine Erkenntnisse basieren. Nachdem ich gemerkt habe, was passiert, wenn ich das, wovor ich Angst habe, zulasse, wurde ich mit dem Zulassen meiner Gefühle immer mutiger.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass wir Menschen unsere Gefühle nicht haben wollen, und wenn, dann nur unsere „guten“ Gefühle. Die Einsamkeit z.B. gehört zu den Gefühlen, die wir nicht wollen, wer will auch schon freiwillig einsam, ängstlich, wütend, traurig, verrückt u.s.w. sein. Ich mache einen Seitenwechsel, wenn ich mich frage, wie es meinem Gefühl, z.B. meiner Einsamkeit geht, wenn ich sie ablehne. Um meine Einsamkeit direkt fragen zu können, stelle ich mir die Einsamkeit als ein kleines einsames Kind vor, das von mir abgelehnt wird, weil es so einsam ist. Wenn ich jetzt dieses einsame Kind frage, wie es ihm mit mir geht, mit einer Mutter, die es ablehnt, weil es so einsam ist, wird es mir wahrscheinlich sagen: „Ich fühl mich so schrecklich einsam, weil du mich nicht haben willst.“ Wenn ich jetzt dieses einsame Kind frage, was es denn braucht, um sich gut zu fühlen, wird es mir sagen: „Wenn ich für immer und ewig bei dir sein kann, dann wäre ich wunschlos glücklich“.

Jetzt ist der Konflikt ganz klar.
Ich will meine Einsamkeit nicht haben, weil ich Angst habe, dass ich dann für immer und ewig einsam bin, aber meine Einsamkeit möchte von mir gefühlt und anerkannt werden, sie will für immer und ewig bei mir sein.

Was ist also zu tun?
Ich habe selber erfahren, was passiert, wenn ich das Risiko eingehe und meine Einsamkeit (oder auch jedes andere Gefühl) für immer und ewig einlade, wenn ich es zulasse, dass das, was ich mein Leben lang verhindert habe, geschehen darf. Wenn ich mein Gefühl der Einsamkeit zu mir lasse, das heißt,ich riskiere, dass ich mein Leben lang einsam bin, dann ändert sich etwas in mir. Meinem Gefühl geht es plötzlich anders mit mir, mein einsames Kind kommt zu mir und darf für immer und ewig bei mir wohnen; das, was sich mein Gefühl gewünscht hat, ist endlich eingetreten. Auf einmal geht es meinem Gefühl gut mit mir, da ich es haben will, egal, wie ich mich dabei fühle.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass der Wandel nur wenige Augenblicke dauert, und ich kann sofort fühlen, wie sich mein Gefühl entspannt. Das, was vor wenigen Augenblicken als unmöglich erschien, ist auf einmal das Normalste auf der Welt. Das Horrorszenario, das ich erwartet habe, bleibt aus und statt dessen fühlt sich mein Gefühl mit mir wohl und das kann ich sofort merken. Auch braucht dieses ehemalig einsame Kind nie wieder darauf aufmerksam zu machen, dass es ihm schlecht geht, es geht ihm nämlich jetzt gut mit mir. Ich bin auf diese Weise eine gute „Mutter“ für mein vorher einsames Kind geworden. Das jeweils so integrierte Gefühl ist dauerhaft integriert. Wir sollten aber bedenken, dass es sehr viele verdrängte Gefühle gibt, und dass diese Art, mit mir umzugehen, ein kontinuierlicher Weg ist, den ich mit mir selbst gehe. Wenn ich aber erst einmal die Erfahrung gemacht habe, wie und dass es funktioniert, dann wird es von mal zu mal leichter.

Über diesen Weg lassen sich alle verdrängten Gefühle, und die daran gebundenen Kräfte, wieder integrieren. Um die Gefühle bedingungslos ausdrücken zu können, benötige ich einen geschützten Raum. Da ich Sängerin bin, ist mein Medium die Stimme. Mit meiner Stimme, egal wie sie klingt, kann ich alle meine Gefühle zum Ausdruck bringen. Aber es lassen sich nur die Gefühle auch wirklich ausdrücken, die bedingungslos anerkannt werden. Wenn ich mit Menschen arbeite, kann ich sofort hören, ob ein Gefühl anerkannt und ausgedrückt wird oder nicht.

Die wirkliche Hürde ist das Aufspüren der verdrängten Gefühle, da sie oft unter anderen Gefühlen versteckt sind. So ist z.B. unter einer aggressiven Wut oft eine ungefühlte Hilflosigkeit und Verzweiflung, oder hinter manchen Tränen verbirgt sich eine ungefühlte und unausgedrückte Wut.

Meine Arbeit, die Heilung des Emotionalkörpers, ist eine integrative Arbeit auf allen Ebenen. Sie kann mühelos mit vielen bestehenden Methoden und Techniken verbunden werden, auch wenn sie scheinbar gegensätzlicher Natur sind. Da dieser Ansatz erst über das eigene Erleben verständlich wird, ist es für mich sehr schwierig, meine Arbeit so darzustellen, dass die Dimension für andere nachvollziehbar ist. Es ist ein neuer Ansatz mit dem bis jetzt nur sehr wenige Menschen konsequent arbeiten. Es geht mir um die bedingungslose Akzeptanz meiner Selbst auf allen Ebenen, und auf diesem Weg begleite ich gerne jeden, der zu mir kommt.

Ellen Kalwait-Borck

Ellen Kalwait-Borck ist eine hellsichtige spirituelle Lehrerin und erteilt ganzheitlichen Gesangsunterricht. Ihr Motto ist „Wie es klingt wenn die Seele singt“. Ellen nutzt die Stimme um alle Gefühle, die sich in eine Person eingedrückt haben, wieder auszudrücken. Und das im wahrsten Sinne des Wortes.



Du bist der Statist/die Statistin in meinem Drama

Wie oft habe ich mich von meiner Umwelt zutiefst verletzt gefühlt. Irgend ein Idiot war immer zur Stelle, um mein Leben durcheinander zu bringen.

Glücklicherweise war ich dann nicht dafür verantwortlich, da ja der Andere das A… war und nicht ich. Der einzige Nachteil war nur, dass ich es nicht geschafft habe, meine Mitmenschen davon zu überzeugen, sich doch bitte so zu verhalten, wie ich es brauche, damit es mir gut geht. Ich habe viel versucht, ich habe mich verstellt, manipuliert, gebettelt, erpresst, gejammert, getrickst und vieles mehr, aber der Erfolg blieb aus. Es war ausgesprochen frustrierend. Als mir dann noch ein Buddhist etwas von Karma erzählte, fühlte ich mich auch noch für alles schuldig. Alles soll ein Spiegel meiner selbst sein, dass ich nicht lache, der Andere hat mich doch so doof behandelt, da kann ich doch nun wirklich nichts dafür. Und nun soll ich die Schuld auch noch in vollem Umfang haben? Das war einfach nur gruselig.
Auffällig war nur, dass mir immer der gleiche Mist begegnete und das in allen Farben und Facetten, immer das gleiche Dilemma. Also habe ich in meiner Not eine Psychotherapie angefangen, in der meine Therapeutin mir ganz langsam und sehr behutsam gezeigt hat, wie ich mit mir und meinen Gefühlen umgehen kann. Bevor ich anerkennen konnte, dass ich diejenige bin, die die Fäden in der Hand hat, war es für mich ganz wichtig, wahrzunehmen, dass mein inneres Kind – die kleine Ellen, die ich damals war – keine Schuld und auch keine Verantwortung für das trägt, was mir damals passiert ist. Damals war ich wirklich das Opfer, ausgeliefert den Dingen, die da auf mich einstürzten und die sich in meinem Leben immer und immer wiederholt haben. In dem Moment, in dem ich fühlen konnte, dass ich da, ganz tief in mir, unschuldig war, war es mir möglich, genauer hinzugucken, wer diese Dramen inszenierte und wozu ich sie brauchte.
Alles was ich vor mir verstecke und nicht haben will, kommt durch die Hintertür wieder auf mich zu. Die vielen Statisten (Nervensägen, Blödmänner) machen mich auf meine Defizite und verdrängten Anteile aufmerksam.
Es gibt noch einen wichtigen und verzwickten Aspekt, den ich hier mit aufzeigen möchte.
Wenn ich nun glaube, dass der Andere doch in dem Moment merken muss wie es mir geht, und dass ich in diesem Moment etwas anderes benötige, als das, was ich gerade bekomme, vergesse ich, dass auch ich ein Statist in dem Drama des anderen bin. Und seien Sie sich sicher, die Dramen passen, wie von Geisterhand geführt, immer perfekt zusammen. Wir spiegeln uns gegenseitig die Dinge, die wir vor uns selber verstecken und blicken irgendwann bei dem ganzen Spiegelkabinett kaum noch durch.

Doch wie kann ich dem Spuk ein Ende setzen?
Indem ich das fühle, was die jeweilige Situation mit mir macht. Indem ich aufhöre vor mir und meinen Sehnsüchten, Bedürfnissen, Gefühlen und Fähigkeiten wegzulaufen; die sind auf ihre Art und Weise sowieso immer schneller als ich. Indem ich anerkenne, dass meine Mitmenschen die Statisten in meinem von mir inszenierten Drama sind, sie sind die Auslöser meiner Gefühle, nicht die Ursache. Verantwortlich für das, was ich fühle und was mir begegnet, bin letzten Endes immer nur ich selbst. Und das ist auch gut so, denn an mir kann ich arbeiten, ich kann Dinge und Glaubenssätze erkennen und verändern, ich kann mich entwickeln und dazulernen. Der Andere ist wie er ist und darf auch so bleiben. Das entspannt mein Gegenüber ungemein.
Ich habe lange gebraucht, bis ich die Mechanismen verstanden habe und aus meinem selbst gebauten Gefängnis ausbrechen konnte. Und so wie ich von vielen Menschen Hilfe bekommen habe und bekomme, kann ich jetzt mein Wissen und meine Erfahrungen weitergeben und die begleiten und unterstützen, die daran interessiert sind, von mir begleitet zu werden.

Ellen Kalwait-Borck